Samstag, 27. Juni 2009

Abi

Mein ältester Sohn hat heute feierlich sein Abiturzeugnis überreicht bekommen (herzlichen Glückwunsch, Konstantin!). Sowas macht einen Vater natürlich unheimlich stolz. Aber es macht einen auch ein wenig nachdenklich. Man merkt, wie man älter wird. (Das kann doch nicht schon fünfzehn Jahre her sein, dass ich ihm ausgedachte Geschichten von zwei kleinen Mäusen und einer Drachentigerkatze erzählt habe ...) Und man fragt sich, in was für eine Welt man den jungen Erwachsenen da eigentlich entlässt.

Eine Welt, in der das Chaos regiert - nicht nur in der Wirtschaft. Eine Welt, die immer mehr von Computern beherrscht wird, deren Leistung weiter exponentiell wächst. Eine Welt, die mein Sohn schon jetzt besser versteht als ich, und die dennoch auch ihm immer fremder und unberechenbarer werden wird.

Doch die heutige Abiturfeier erfüllt mich auch mit Zuversicht. Ich habe viele talentierte junge Menschen gesehen - einige davon wahre Wunderkinder mit 1,0-Abi, die neben der Schule im 3. Semester Physik studieren. Sie scheinen irgendwie vernünftiger, weltoffener und weniger naiv zu sein als der Jahrgang, der gemeinsam mit mir Abi gemacht hat. Und der Krise zum Trotz blicken sie optimistisch in die Zukunft.

Sie sind mit - zum Teil in - virtuellen Welten aufgewachsen. Doch sie haben nicht verlernt, worauf es im Leben wirklich ankommt. Am Ende der stimmungsvollen Feier sang ein Schüler-Gospelchor "That's what friends are for". Man spürte, dass trotz aller Chatrooms und Nicknames, Facebook- und Twitter-Accounts die körperliche Nähe, das Lächeln unter Freunden immer noch zählt. Irgendwie beruhigend.

Donnerstag, 18. Juni 2009

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern

Als ich Ende 2006 zum ersten Mal auf das damals noch brandneue Twitter (engl. „Gezwitscher“) stieß, schüttelte ich den Kopf vor Unverständnis. Da berichteten mitteilungsfreudige Freaks, dass sie sich gerade einen Kaffee kochten, Mathe büffelten oder jetzt gleich ins Kino gingen. Ich hatte keine Ahnung, wo der Vorteil liegen sollte, wenn man Mitteilungen künstlich auf 140 Zeichen beschränkte, obwohl diese überwiegend nicht als SMS versandt werden, um damit dann solche Trivialitäten auszutauschen. Schon damals jedoch hat Twitter-Gründer Jack Dorsey etwas sehr Kluges gesagt: „Wir haben keine Ahnung, was die User mit unserem Service machen werden. Wir stellen ihn einfach hin und schauen zu.“

Drei Jahre nach der Twitter-Gründung zeigt sich, dass der Service seine unglaubliche Popularität zu recht hat. Denn spätestens seit der spektakulären Notlandung eines Airbus A320 auf dem Hudson River, die als erstes per „Tweet“ übermittelt wurde, ist die Relevanz des jungen Mediums für die Nachrichtenübermittlung klar. Immer noch ist der größte Teil der Tweets an Trivialität kaum zu überbieten, aber das gilt bekanntlich auch für Blogs und Websites. Das eine Prozent relevanter Inhalte aber hat durch Twitter enorm an Verbreitungsgeschwindigkeit gewonnen. Besonders eindrucksvoll zeigt sich das in diesen Tagen, in denen Twitter offenbar die Geheimwaffe der iranischen Opposition gegen Wahlfälschung und Repressalien des Regimes ist. Man könnte sagen, die Spatzen pfeifen von den Dächern, dass Ahmadinedschads Tage gezählt sind.

Wenn man sich das Internet als eine Art gigantisches neuronales Netz vorstellt, als „global Brain“, dann erfüllt Twitter die Funktion von Nervenimpulsen, die dafür sorgen, dass bestimmte Regionen des Netzes „aktiviert“ werden. Da Tweets zu kurz sind, um relevante Inhalte im Detail zu übermitteln, dienen sie inzwischen im Wesentlichen der Aufmerksamkeitssteigerung: Schau mal auf diese Website, lies mal jenen Blogbeitrag. Diese Funktion ist sehr wesentlich, denn sie beschleunigt die Funktionsweise des neuronalen Netzes, und damit seine „Intelligenz“, erheblich.

Für mich ist Twitter ein eindrucksvolles Beispiel, wie eine revolutionäre Anwendung durch simples Anwenden des Prinzips von Versuch und Irrtum entstehen kann. Die memetische Evolution ist wieder ein bisschen beschleunigt worden. Ich bin gespannt, was für Gezwitscher wir demnächst noch hören werden.

Sonntag, 7. Juni 2009

Der übernächste Olsberg?

Gestern habe ich der besten Leserin von allen (frei nach Kishon) die erste Fassung meines neuen Romans in die Hand gedrückt und warte nun gespannt auf ihre Reaktion. Werden es wieder 250 Seiten, die ich noch mal neu schreiben darf?

Angesichts der Tatsache, dass der nächste Karl Olsberg-Roman "Schwarzer Regen" noch nicht einmal erschienen ist, mag es verfrüht erscheinen, sich schon Gedanken über das übernächste Projekt zu machen, geschweige denn, es fertig zu haben. Doch die Arbeitszyklen im Literaturbetrieb sind ziemlich lang, und die Hektik, die kurz vor der Manuskriptabgabe von "Schwarzer Regen" aufkam, möchte ich diesmal tunlichst vermeiden.

Außerdem bin ich mir noch gar nicht so sicher, ob das Manuskript tatsächlich als Karl Olsberg-Roman das Licht des Buchhandels erblicken wird. Denn es ist eine fundamental andere Geschichte, die nur noch wenig Parallelen zu den bisherigen, doch stark technikgetriebenen Thrillern aufweist. Mehr will ich an dieser Stelle noch nicht verraten, so schwer es mir auch fällt.

Ich bin auf jeden Fall schon sehr gespant, was mein Lektor Andreas beim Aufbau-Verlag dazu meint. Aber der bekommt den Text ja erst zu lesen, wenn dieser die schwierigste Hürde passiert hat: das unbarmherzige und gerade deshalb so wertvolle Urteil meiner Frau. Dazu demnächst mehr.

Samstag, 30. Mai 2009

Strahlende Affen

Hurra! Endlich ist es gelungen, Affen genetisch so zu verändern, dass sie nicht nur im Dunkeln leuchten, sondern diese nützliche Eigenschaft auch an ihre Nachkommen weitergeben können. Ich habe vorsorglich meine Aktien eines bekannten Glühbirnenherstellers verkauft.

Wir können also nicht nur lebende Organismen verhunzen, sondern auch dafür sorgen, dass sich die so Manipulierten fortpflanzen - gegebenenfalls auch unkontrolliert. Ein Triumph für die Affen! Jedenfalls für die in den weißen Kitteln.

Ich habe hier schon oft geschrieben, dass ich nicht negativ gegenüber dem technischen Fortschritt eingestellt bin, auch nicht gegenüber der Gentechnik. Aber mich regt schon ein bisschen auf, mit welcher Respektlosigkeit Wissenschaftler heutzutage mit Lebewesen, zumal unseren entfernten Verwandten, umgehen.

Ich zweifle nicht daran, dass solche Experimente medizinischen Nutzen haben können, dass man vielleicht Erbkrankheiten auf diese Art behandeln und Menschenleben retten kann. Aber ich bezweifle entschieden, dass diese Wissenschaftler wirklich wissen, was sie da eigentlich tun.

Richard Dawkins schreibt in "The Extended Phenotype" sinngemäß: "Es gibt eigentlich kein Gen für irgendetwas. Es gibt nur Gene und ihre phänotypischen Ausprägungen." Soll heißen: Auch wenn eine genetische Mutation offensichtlich das Fell eines Affen leuchten lassen kann, bedeutet das noch lange nicht, dass wir verstehen, was die Veränderung alles bewirkt. Dafür sind die Vorgänge bei der Entstehung eines Lebewesens, besonderes eines Primaten, viel zu kompliziert.

Was wir brauchen sind nicht noch mehr Verbote und Demonstrationen gegen Gentechnik. Was wir brauchen sind Wissenschaftler, die in der Öffentlichkeit nicht Triumphe feiern, sondern eine gewisse Demut zeigen, die sich ihres eigenen Unwissens und ihrer begrenzten Einflussmöglichkeiten bewusst sind. Wir brauchen Wissenschaftler, die einem Primaten kein Leuchtgen einpflanzen würden, ebensowenig, wie sie das bei einem Menschen tun würden. Einfach, weil sie die Würde dieses Lebewesens respektieren.

Weiter heißt es in dem Artikel: "In Zukunft könnten ganze Kolonien solcher genetisch veränderter, kranker Affen für die biomedizinische Forschung gezüchtet werden, spekulieren Sasaki und ihre Kollegen."

Leute, die beim Anblick eines leuchtenden Äffchens vor Freude strahlen und "ganze Kolonien kranker Affen züchten" wollen, verursachen bei mir eine Gänsehaut. Ehrlich gesagt nicht nur, weil mir die Affen (die ohne weißen Kittel) leid tun. Sondern vor allem deshalb, weil ich irgendwie sicher bin, dass uns diese Art von Arroganz noch teuer zu stehen kommen wird.

Samstag, 23. Mai 2009

Schwarzer Regen - die Figuren (5)

In dieser kleinen Serie lasse ich die Figuren meines neuen Romans "Schwarzer Regen", der im Herbst 2009 erscheint, sich selbst vorstellen.

Mein Name ist Langen. Friedhelm Langen. Und es wäre besser, wenn ihr mir zuhört. Wenn mir irgendjemand endlich zuhört!

Ich habe von Anfang an gewusst, dass es passieren würde. Ich habe versucht, zu warnen, bin sogar zur Polizei gegangen. Aber man hat mich ausgelacht. Einen Spinner hat man mich genannt. Verhöhnt hat man mich. Schon immer. Aber jetzt, jetzt, wo es passiert ist, könnt ihr die Wahrheit nicht länger ignorieren, oder? Ihr müsst mir jetzt zuhören, sonst passiert noch viel, viel Schlimmeres!

Ich hab eigentlich nie an Schicksal und Vorsehung geglaubt und sowas. Ich bin doch kein Trottel. Schließlich habe ich Mathematik studiert. Aber als ich mich dann zufällig etwas näher mit seinen Texten beschäftigt habe, da hab ich es gesehen. Die Muster. Sie sind da, eindeutig, und nur jemand, der absolut vernagelt ist, kann seine Augen davor verschließen.

Wovon ich rede? Von Nostradamus natürlich. Passt mal auf:

Arglist, Verschwörung und hinterhältiger Anschlag:
Die große Stadt wird prompt und überraschend angegriffen.
Menschenfleisch, für den Tod zu Asche gemacht,
Schloss, Palast im Flammenmeer.

Gleißendes Feuer wird man am Himmel erblicken,
Wolke lässt zwei Sonnen erscheinen.
Sogleich schießt eine große, ausschlagende Flamme hervor,
während der Himmel so übermäßig donnern wird.


Na? Ist das nicht eindeutig? Das ist Originalton Nostradamus, geschrieben vor 350 Jahren. Könnt ihr ja googeln, wenn ihr mir nicht glaubt. Klarer kann man es doch wohl nicht beschreiben, zumal in der Sprache des Mittelalters, oder?

Na gut, ich habe seine Zeilen ein bisschen umsortiert. Aber das ist es ja gerade: Ich habe rausgekriegt, welche mathematischen Transformationen ich auf die Verse anwenden muss, damit sie in der richtigen Reihenfolge erscheinen. Und das, was da oben steht, ist erst der Anfang.

Vielleicht hört ihr mir jetzt doch besser zu!

Samstag, 16. Mai 2009

"Es ist ein ... Buch!"

Ein Buch von 400 Seiten zu schreiben dauert so ungefähr 9 Monate. Wenn man es dann zum ersten Mal in den Händen hält, ist das tatsächlich ein bisschen so wie bei einer Geburt.

Dieses Glücksgefühl durfte ich gestern wieder erleben, als ich eines der ersten Vorab-Exemplare meines neuen Romans "Schwarzer Regen" in den Händen hielt. Diese Vorab-Ausgabe ist nur für Buchhändler bestimmt, die so die Möglichkeit bekommen, das Buch zu lesen und sich eine Meinung zu bilden, bevor es tatsächlich erscheint.

cover-schwarzer-regen

Wie bei einer Geburt habe ich in so einem Moment das Gefühl, das Wunder der Schöpfung zu erleben - etwas, das vorher nur in meinem Gehirn existiert hat, ist plötzlich Realität geworden. Aber natürlich gibt es auch Unterschiede: Kinder halten einen länger auf Trab, sind knuddeliger und bedeuten einem am Ende doch unendlich viel mehr.

Auf der anderen Seite kommen Bücher nicht in die Pubertät.

Samstag, 9. Mai 2009

Karl Olsberg bei Facebook

Es gibt jetzt eine Karl Olsberg-Facebook-Seite. Eigentlich sogar zwei: Eine persönliche und eine Fan Page (den Sinn dieser Unterscheidung habe ich noch nicht genau begriffen). Zu meiner persönlichen Seite geht es hier.

Ich freue mich natürlich, wenn andere Facebook-Mitglieder sich dort mit mir vernetzen!

Außerdem gibt es ab sofort einen Karl Olsberg-Mailaccount bei Google, mit dem Sie/Ihr mir Ihre/Eure Meinung zu meinen Büchern oder Fragen zu mir, zum Schreiben oder sonstigem schicken können/könnt. Ich kann allerdings nicht versprechen, dass ich jede Mail immer prompt beantworte - lesen werde ich sie aber auf jeden Fall!

Samstag, 2. Mai 2009

Schwarzer Regen - die Figuren (4)

In dieser kleinen Serie lasse ich die Figuren meines neuen Romans "Schwarzer Regen", der im Herbst 2009 erscheint, sich selbst vorstellen.

Mein Name ist Fabienne Berger. Ich verkaufe Blumen in dem kleinen Laden nahe der Bushaltestelle, vormittags, wenn mein Sohn Max in die Schule geht. Das Leben ist nicht immer leicht, wenn man alleinerziehend ist und nicht viel Geld hat, aber ich habe eigentlich keinen Grund, mich zu beklagen. Mein Sohn ist mein ganzes Glück, und meine beste Freundin Nora wohnt gleich nebenan und hilft mir aus, wenn ich ihn mal unterbringen muss. So war mein Leben eigentlich ganz in Ordnung - bis zu dem Tag, an dem ich Lennard Pauly kennenlernte.

Glauben Sie an Schicksal? Ich schon. Irgendetwas ist jedenfalls da draußen, da bin ich sicher. Etwas, das über uns wacht, uns zuhört und uns manchmal Hinweise gibt, was wir im Leben anders machen sollten.

Ich benutze Tarot-Karten. Ein altes Rider-Waite-Spiel, das mir meine Großmutter geschenkt hat, kurz bevor sie starb. Sie hatte die Gabe, und sie glaubte, dass ich sie auch habe. Die Karten sind natürlich nur ein Hilfsmittel, um die innere Stimme zu hören, die zu uns spricht - so ähnlich, wie uns ein Spiegel unser Gesicht zeigt und uns manchmal erkennen lässt, ob es uns gut geht.

Die Stimme hat oft zu mir gesprochen, aber nicht immer wollte ich zuhören. Lange hatte ich Angst davor, was sie mir sagen würde. Aber wenn wir unsere Augen und Ohren vor dem verschließen, was uns die Karten mitteilen, werden die Konsequenzen nur umso schlimmer. Das hat mir meine Großmutter immer gesagt. Sie hat wahrscheinlich gar nicht gewusst, wie recht sie damit hatte.

Als Noras Tochter von diesem Mistkerl in seine Wohnung verschleppt wurde, habe ich gedacht, die Karten würden mir etwas über ihren Aufenthaltsort verraten. Stattdessen haben sie mich vor dem gewarnt, was später passieren würde, in Karlsruhe. Ich habe es damals nicht verstanden. Wahrscheinlich war ich zu aufgeregt wegen der Entführung und habe meiner inneren Stimme nicht richtig zugehört.

Manchmal frage ich mich, ob es einen Unterschied gemacht hätte, wenn ich in der Lage gewesen wäre, die Botschaft der Karten auf Anhieb richtig zu deuten. Hätte ich irgendetwas ändern können? Die Katastrophe vielleicht gar verhindern? Ich glaube nicht. Man hätte mir wohl kaum geglaubt.

Die Zukunft zu kennen, bedeutet noch lange nicht, dass man sie auch ändern kann.

Karl Olsbergs Blog

Zukunft := Was noch alles auf uns zu kommt ...



Meine Bücher


Karl Olsberg
Schwarzer Regen



Karl Olsberg
Der Duft



Karl Olsberg
Das System


Karl Olsberg, Hans-Werner Meyer
Das System Hörbuch


Karl Olsberg, Claudia Ruby, Ulf Marquardt
2057 - Unser Leben in der Zukunft. Wie wir in Zukunft leben

Aktuelle Beiträge

Abi
Mein ältester Sohn hat heute feierlich sein Abiturzeugnis...
Karl Olsberg - 27. Jun, 15:11
Die Spatzen pfeifen es...
Als ich Ende 2006 zum ersten Mal auf das damals noch...
Karl Olsberg - 18. Jun, 09:55
Ja, wenn der Verlag entscheidet,...
Ja, wenn der Verlag entscheidet, dass er das Buch veröffentlichen...
Karl Olsberg - 8. Jun, 17:52
Pseudonym?
Hallo Herr Olsberg, würden Sie Ihr übernächstes...
Bernhard S. (anonym) - 8. Jun, 15:04
Der übernächste...
Gestern habe ich der besten Leserin von allen (frei...
Karl Olsberg - 7. Jun, 11:26

Suche

 

Status

Online seit 818 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 27. Jun, 15:11

Creative Commons License

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur für neue Medien

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page

twoday.net AGB


Das System
Der Duft
Errungenschaften
Evolution und Zukunft
Lesungen
Musenküsse und Schreibblockaden
Schwarzer Regen
Über mich
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren