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Montag, 16. Juni 2008

Die "Farce" geht weiter

In einem heute erschienenen SPIEGEL-Interview fährt Bernd Lunkewitz schweres verbales Geschütz auf gegen den Verlag, den er nicht mehr haben will. Er behauptet, der Aufbau-Verlag sei gar nicht der Aufbau-Verlag und droht, wenn der Insolvenzverwalter nicht "die ungerechtfertigten Ansprüche auf mein Eigentum" aufgebe, "wird das Licht ausgemacht, und dann ist Schluss."

Bismarck hat einmal gesagt: "Nie wird so gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd." Lunkewitz befindet sich im Krieg, seinem persönlichen Djihad gegen das Bundesfinanzministerium, von dem er sich belogen und betrogen fühlt. Sicher ist er unfair und ungerecht behandelt worden und hat ein Recht auf Schadensersatz. Aber sein aktueller Umgang mit seinem "Lebenswerk" offenbart eine Besessenheit in diesem Kampf, die nichts Gutes verheißt - vor allem nicht für ihn selbst.

Man darf im Bismarckschen Sinne sicher nicht jedes Wort, das dieser Tage in der Presse wiedergegeben wird, auf die Goldwaage legen. Dennoch offenbart sich in dem Interview aus meiner Sicht eine gehörige Portion Realitätsverlust (oder -verdrängung), die für mich in der Behauptung gipfelt, Lunkewitz könne den Verlag auch ohne Einverständnis der Autoren verkaufen.

Dabei verkennt er drei wesentliche Tatsachen: Erstens sind die Autorenverträge nach 1990 absolut unzweifelhaft mit der Aufbau Verlags GmbH geschlossen worden und nicht mit seiner Neugründung "Alte Verlags GmbH" (und nur diese GmbH kann er verkaufen, da er sein Eigentum an der Aufbau Verlags GmbH ja selbst bestreitet). Zweitens bestünde im Fall der Fälle für viele dieser Verträge - nämlich für die noch nicht gedruckten Bücher - nach §36 Verlagsgesetz ein Rücktrittsrecht der Autoren. Und drittens wäre jeder Investor mit dem Klammerbeutel gepudert, der einen Verlag ohne die Unterstützung seiner Autoren kauft. So ein Verlag hätte ganz einfach keine Zukunft, denn in unserer immer schnelllebigeren Welt wird der größte Teil des Verlagsumsatzes mit Neuerscheinungen gemacht. Wir Autoren haben also durchaus ein Wörtchen in dieser Angelegenheit mitzureden.

Lunkewitz kritisiert im SPIEGEL, dass die aufgebrachten und enttäuschten Mitarbeiter ein Transparent mit der Aufschrift "Wir sind Aufbau" aus dem Fenster gehängt haben und nicht etwa "Die Autoren sind Aufbau". Falls er hofft, damit einen Keil zwischen Autoren und Mitarbeiter treiben zu können, beweist er allerdings ein weiteres Mal fortgeschrittenen Realitätsverlust. Wer die Zustimmung der Autoren zu einem Eigentümerwechsel als nicht notwendig bezeichnet und sich gleichzeitig als einzig wahrer Interessenvertreter eben dieser Autoren positionieren will, kann nicht ernst genommen werden.

Für mich nimmt Bernd Lunkewitz in dieser von ihm selbst so genannten "Farce" immer mehr die grotesken Züge eines Rumpelstilzchens an. Er hätte das nicht nötig: Er müsste im SPIEGEL keine drohende Verbalfaust schwingen, er könnte, wie das in solchen Fällen üblicherweise gehandhabt wird, im stillen Kämmerlein die Strippen ziehen. Stattdessen macht er für alle Welt deutlich, dass es ihm nur noch um seinen eigenen Vorteil und vielleicht um so etwas wie Rache geht. So gewinnt man keine Schadensersatz-Prozesse gegen Bundesministerien - und erst recht nicht das Vertrauen von Autoren.

Eine Stellungnahme der Geschäftsführung der Aufbau Verlagsgruppe GmbH zum Lunkewitz-Interview gibt es hier.

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