System-Crash
Oops! Da hat doch der blöde Computer einfach so 300 Millionen Euro an eine Investment-Bank überwiesen, die bereits pleite war, und damit der Staats-Förderbank KfW mal wieder einen handfesten Skandal beschert. Dummes Ding!
Ein Virus? Böse Absicht? Ein technischer Fehler? Oder doch menschliches Versagen, das mal wieder auf den wehrlosen Computer geschoben wird? Nein. Meiner Meinung nach liegt das eigentliche Problem im „System“ an sich – jener extrem komplexen Verkettung von Mensch und Maschine, die sich genau so verhält, wie man es nach der Chaostheorie erwarten darf: unberechenbar. Damit meine ich nicht die KfW, sondern das ganze komplizierte Geflecht moderner Kapitalmärkte.
Unvorstellbare Summen werden jeden Tag um den Erdball herum geschickt, ein Vielfaches dessen, was alle Staaten gemeinsam besitzen, um diesen gigantischen Kapitalstrom zu steuern. Der Effekt ist natürlich, dass er sich kaum steuern lässt. Finanzspritzen für notleidende Immobilienkreditgeber verpuffen entweder wirkungslos oder verschlimmern das Desaster sogar noch, weil sie den Märkten signalisieren, dass es ein Problem gibt, was schon an sich ein Problem ist.
Laien und Fachleute sind sich einig: Das moderne Finanzsystem ist ein Monstrum, ein Moloch, den niemand mehr voll durchschauen oder gar beherrschen kann. Wie sonst ist es zu erklären, dass die Finanzkrise praktisch alle Experten kalt erwischt hat, dass niemand den jüngsten zweiten und noch schlimmeren Crash – mehr als ein Jahr nach dem eigentlichen Auslöser – voraussah?
Wir schaffen uns Systeme, die unbeherrschbar sind, und machen uns von ihnen extrem abhängig, ohne die Folgen auch nur annähernd absehen zu können. Computer sind nicht der eigentliche Auslöser dieses Problems, aber sie verschlimmern es gewaltig.
Was können wir tun? Einfach das Rad der Zeit zurückdrehen, die Computer abschalten, zurück zum Tauschhandel mit Zigaretten- oder Muschelwährung? Nein, natürlich nicht. Aber wir können uns abgewöhnen, zu glauben, dass alles immer so weiter geht wie bisher, dass die Systeme alle wunderbar funktionieren und immer alles bergauf geht. Naiver Glaube an Technik, gepaart mit Gier - eine tödliche Mischung.
Wir können und müssen uns auf kurzfristige, heftige Turbulenzen einstellen, Sicherheitsmaßnahmen ergreifen. Aber vor allem müssen wir lernen, schnell zu reagieren, flexibel zu sein und uns mit dem Unvorhergesehenen, dem Überraschenden abzufinden. Denn wir sitzen nicht auf einer Zeitbombe – wir sitzen auf einer ganzen Schiffsladung voller Zeitbomben, in Form von hoch komplexen, vernetzten Systemen in Wirtschaft, Politik, Ökologie, Medien und Technologie. Ob und wann jede einzelne von ihnen hoch geht, kann niemand sagen.
Ein Virus? Böse Absicht? Ein technischer Fehler? Oder doch menschliches Versagen, das mal wieder auf den wehrlosen Computer geschoben wird? Nein. Meiner Meinung nach liegt das eigentliche Problem im „System“ an sich – jener extrem komplexen Verkettung von Mensch und Maschine, die sich genau so verhält, wie man es nach der Chaostheorie erwarten darf: unberechenbar. Damit meine ich nicht die KfW, sondern das ganze komplizierte Geflecht moderner Kapitalmärkte.
Unvorstellbare Summen werden jeden Tag um den Erdball herum geschickt, ein Vielfaches dessen, was alle Staaten gemeinsam besitzen, um diesen gigantischen Kapitalstrom zu steuern. Der Effekt ist natürlich, dass er sich kaum steuern lässt. Finanzspritzen für notleidende Immobilienkreditgeber verpuffen entweder wirkungslos oder verschlimmern das Desaster sogar noch, weil sie den Märkten signalisieren, dass es ein Problem gibt, was schon an sich ein Problem ist.
Laien und Fachleute sind sich einig: Das moderne Finanzsystem ist ein Monstrum, ein Moloch, den niemand mehr voll durchschauen oder gar beherrschen kann. Wie sonst ist es zu erklären, dass die Finanzkrise praktisch alle Experten kalt erwischt hat, dass niemand den jüngsten zweiten und noch schlimmeren Crash – mehr als ein Jahr nach dem eigentlichen Auslöser – voraussah?
Wir schaffen uns Systeme, die unbeherrschbar sind, und machen uns von ihnen extrem abhängig, ohne die Folgen auch nur annähernd absehen zu können. Computer sind nicht der eigentliche Auslöser dieses Problems, aber sie verschlimmern es gewaltig.
Was können wir tun? Einfach das Rad der Zeit zurückdrehen, die Computer abschalten, zurück zum Tauschhandel mit Zigaretten- oder Muschelwährung? Nein, natürlich nicht. Aber wir können uns abgewöhnen, zu glauben, dass alles immer so weiter geht wie bisher, dass die Systeme alle wunderbar funktionieren und immer alles bergauf geht. Naiver Glaube an Technik, gepaart mit Gier - eine tödliche Mischung.
Wir können und müssen uns auf kurzfristige, heftige Turbulenzen einstellen, Sicherheitsmaßnahmen ergreifen. Aber vor allem müssen wir lernen, schnell zu reagieren, flexibel zu sein und uns mit dem Unvorhergesehenen, dem Überraschenden abzufinden. Denn wir sitzen nicht auf einer Zeitbombe – wir sitzen auf einer ganzen Schiffsladung voller Zeitbomben, in Form von hoch komplexen, vernetzten Systemen in Wirtschaft, Politik, Ökologie, Medien und Technologie. Ob und wann jede einzelne von ihnen hoch geht, kann niemand sagen.
Karl Olsberg - 18. Sep, 18:35
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