Karl Olsberg auf der Couch (2)
In den letzten zwei Wochen hatte ich wieder mal das Vergnügen, eine Leserunde begleiten zu dürfen, diesmal im Roman-Forum auf www.krimicouch.de. Thema war "Der Duft". Das Buch haben alle Teilnehmer in vier Abschnitten gelesen und dann am Ende jedes Abschnitts über das bisher gelesene diskutiert.
Für mich ist es besonders spannend, den Lesern dabei zuzuhören, wie sie darüber diskutieren, was in dem Buch wohl noch alles passieren wird. Dabei kann ich ihnen dann quasi "in den Kopf gucken" und sehen, wo ich sie wie gewollt auf die falsche Fährte gelockt oder wo ich sie vielleicht unabsichtlich in die Irre geleitet habe, und was für gewiefte Krimileser vorhersehbar ist bzw. was nicht.
Interessant war für mich zum Beispiel, dass einige Leser Schwierigkeiten hatten, sich mit der Hauptfigur Marie Escher zu identifizieren: "Marie mit ihrem ständigen Drang, die Führungsrolle zu behalten (und mit ihrer Schlankheits-Selbstdisziplin und ihrer Schwäche für alte Männer in Porsches) bleibt mir noch fremd", schrieb ein Teilnehmer. Das hat man davon, wenn man eine Figur schafft, die widersprüchlich ist und mit sich selbst zu kämpfen hat!
Oder doch nicht? "Federfrau" schreibt: "Marie Escher finde ich ganz spannend - sie wird ja offensichtlich ganz massiv von ihren Kindheitserinnerungen beherrscht - ich denke, deshalb ist sie so diszipliniert, sogar zwanghaft, um eben nicht die Kontrolle zu verlieren ..." Ja, genau so hatte ich mir das gedacht!
Das Beispiel zeigt, dass das Buch von Lesern mit sehr unterschiedlicher Erwartungshaltung gelesen wird, die es entsprechend sehr unterschiedlich aufnehmen. Das zeigt sich auch an der Gesamteinschätzung. Die reicht von "Ich werde wohl kein weiteres Buch mehr von Karl Olsberg lesen" bis zu "Das Buch war wirklich spannend" und "Ich werde Sie weiterempfehlen."
Glücklicherweise waren die meisten Leser/innen in ihrem Gesamtfazit sehr wohlwollend, obwohl fast jeder etwas anzumerken hatte. Mir hat dabei die offene Diskussion besonders gefallen, denn sie zeigt mir, wo Dinge nicht so funktionieren, wie ich mir das gedacht hatte. Gerade solche Aha-Effekte sind hilfreich. Oder wie "Michelle" es ausdrückt: "Aber Karl ist ja durchaus kritikfähig und wird mit Sicherheit den einen oder anderen Punkt künftig berücksichtigen." Werde ich.
Letztlich kann - und will - ich es aber auch nicht jedem recht machen. Ein Leser meinte: "Was mich am meisten am Buch 'gestört' hat: Seitenzahlen! Wenn alles in Ordnung zu sein scheint, aber man weiss, dass es noch einiges zu lesen gibt, ist die Frage, ob alles endgültig geklärt ist, schon beantwortet ..." Das Problem werde ich wohl nicht lösen können (was ihm natürlich durchaus bewusst war).
Auf jeden Fall war das eine sehr spannende Erfahrung, für die ich mich bei allen Teilnehmern und vor allem beim Organisator "Bio-Fan" herzlich bedanke!
Für mich ist es besonders spannend, den Lesern dabei zuzuhören, wie sie darüber diskutieren, was in dem Buch wohl noch alles passieren wird. Dabei kann ich ihnen dann quasi "in den Kopf gucken" und sehen, wo ich sie wie gewollt auf die falsche Fährte gelockt oder wo ich sie vielleicht unabsichtlich in die Irre geleitet habe, und was für gewiefte Krimileser vorhersehbar ist bzw. was nicht.
Interessant war für mich zum Beispiel, dass einige Leser Schwierigkeiten hatten, sich mit der Hauptfigur Marie Escher zu identifizieren: "Marie mit ihrem ständigen Drang, die Führungsrolle zu behalten (und mit ihrer Schlankheits-Selbstdisziplin und ihrer Schwäche für alte Männer in Porsches) bleibt mir noch fremd", schrieb ein Teilnehmer. Das hat man davon, wenn man eine Figur schafft, die widersprüchlich ist und mit sich selbst zu kämpfen hat!
Oder doch nicht? "Federfrau" schreibt: "Marie Escher finde ich ganz spannend - sie wird ja offensichtlich ganz massiv von ihren Kindheitserinnerungen beherrscht - ich denke, deshalb ist sie so diszipliniert, sogar zwanghaft, um eben nicht die Kontrolle zu verlieren ..." Ja, genau so hatte ich mir das gedacht!
Das Beispiel zeigt, dass das Buch von Lesern mit sehr unterschiedlicher Erwartungshaltung gelesen wird, die es entsprechend sehr unterschiedlich aufnehmen. Das zeigt sich auch an der Gesamteinschätzung. Die reicht von "Ich werde wohl kein weiteres Buch mehr von Karl Olsberg lesen" bis zu "Das Buch war wirklich spannend" und "Ich werde Sie weiterempfehlen."
Glücklicherweise waren die meisten Leser/innen in ihrem Gesamtfazit sehr wohlwollend, obwohl fast jeder etwas anzumerken hatte. Mir hat dabei die offene Diskussion besonders gefallen, denn sie zeigt mir, wo Dinge nicht so funktionieren, wie ich mir das gedacht hatte. Gerade solche Aha-Effekte sind hilfreich. Oder wie "Michelle" es ausdrückt: "Aber Karl ist ja durchaus kritikfähig und wird mit Sicherheit den einen oder anderen Punkt künftig berücksichtigen." Werde ich.
Letztlich kann - und will - ich es aber auch nicht jedem recht machen. Ein Leser meinte: "Was mich am meisten am Buch 'gestört' hat: Seitenzahlen! Wenn alles in Ordnung zu sein scheint, aber man weiss, dass es noch einiges zu lesen gibt, ist die Frage, ob alles endgültig geklärt ist, schon beantwortet ..." Das Problem werde ich wohl nicht lösen können (was ihm natürlich durchaus bewusst war).
Auf jeden Fall war das eine sehr spannende Erfahrung, für die ich mich bei allen Teilnehmern und vor allem beim Organisator "Bio-Fan" herzlich bedanke!
Karl Olsberg - 4. Apr, 11:22
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