Yes, we can ... or can we?
Wir Europäer neigen zum Skeptizismus. Die Begeisterung, die Amerikaner gleich welcher Hautfarbe und Parteizugehörigkeit für ihren neuen Präsidenten empfinden, betrachten wir eher mit einem Naserümpfen. Schließlich lernen wir schon in der Grundschule, dass Politiker nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind und „die da oben“ nichts Besseres zu tun haben, als uns hinters Licht zu führen.
Was sollen wir da von einem Präsidenten halten, der aus heiterem Himmel und ohne irgendeinen aktuellen Anlass erklärt, sämtliche Atomwaffen abschaffen zu wollen? Der muss doch irgendwas im Schilde führen. Will er sich vielleicht nur beliebt machen? Von den wahren Problemen wie Weltwirtschaftskrise & Co. ablenken? Oder hat er im Keller bereits die nächste, noch viel stärkere Massenvernichtungswaffe und nutzt seine Atomraketen nur deshalb als Verhandlungsmasse, weil er sie ohnehin nicht mehr braucht?
Die Vorstellung, dass dieser Mann ganz einfach vernünftig ist, dass er im Unterschied zu vielen Politikern begriffen hat, wie groß die Gefahr immer noch ist, die von weltweit gut 30.000 Atomsprengköpfen aus geht, will uns kaum in den Kopf. Der kalte Krieg ist doch längst vorbei, Hiroshima und Nagasaki alte Hüte. Wen interessiert das denn noch?
Der Mensch neigt dazu, zu verdrängen, was er nicht erfassen kann. Die Gefahr, die von Atomraketen ausgeht, gehört für mich zu den am meisten unterschätzten technischen Risiken. Das klingt paradox, weil wohl niemand denkt, Atombomben seien ungefährlich. Aber dass wirklich etwas passieren könnte, hält doch kaum einer für möglich. Schließlich ist es doch sechzig Jahre lang gutgegangen (dass da eine Menge Glück im Spiel war, wissen die meisten Menschen gar nicht).
Das ist einer der Gründe, weshalb ich die atomare Bedrohung zum zentralen Thema in meinem Roman „Schwarzer Regen“ gemacht habe.
Atombomben sind Produkte der technischen Evolution. Sie „wollen“ sich ausbreiten, und dafür verlocken sie uns mit dem süßesten aller Anreize: Unbegrenzter Macht. Wer die Bombe hat, wird ernst genommen. Wer die Bombe hat, kann seine Forderungen auf internationaler Bühne durchsetzen und in einem geschickten diplomatischen Spiel mit Zuckerbrot und Peitsche Vorteile für sich heraus holen. Wer die Bombe hat, braucht seine Nachbarn nicht mehr zu fürchten (es sei denn, die haben sie auch).
Die Atombomben-Meme locken uns mit diesem vergifteten Nektar, wie Blumen die Bienen anlocken. Natürlich ist ihr süßer Duft vor allem für diejenigen attraktiv, die noch keine Bomben besitzen. Je mehr Länder sie haben, desto größer wird der Druck auf die übrigen, sich dem exklusiven Club der „Atommächte“ anzuschließen. Und mit dem Fortschritt der Technik und der weltweiten Wissensvernetzung wird es immer einfacher, sie zu bekommen. Es ist nur schwer vorstellbar, wie wir diesen Geist wieder zurück in die Flasche bekommen sollen, aus der er vor siebzig Jahren entschlüpft ist.
Barack Obama weiß das. Fast trotzig bezeichnet er den von mir und anderen argumentierten Fatalismus als „tödlichen Gegner“ und tritt ihm mit seinem unbeugsamen Superhelden-Optimismus entgegen. Mein skeptischer Verstand sagt mir, dass er sich (wieder mal) zuviel vornimmt. Mein Herz aber jubelt ihm zu: „Yes, we can, Mr. President!“
Was sollen wir da von einem Präsidenten halten, der aus heiterem Himmel und ohne irgendeinen aktuellen Anlass erklärt, sämtliche Atomwaffen abschaffen zu wollen? Der muss doch irgendwas im Schilde führen. Will er sich vielleicht nur beliebt machen? Von den wahren Problemen wie Weltwirtschaftskrise & Co. ablenken? Oder hat er im Keller bereits die nächste, noch viel stärkere Massenvernichtungswaffe und nutzt seine Atomraketen nur deshalb als Verhandlungsmasse, weil er sie ohnehin nicht mehr braucht?
Die Vorstellung, dass dieser Mann ganz einfach vernünftig ist, dass er im Unterschied zu vielen Politikern begriffen hat, wie groß die Gefahr immer noch ist, die von weltweit gut 30.000 Atomsprengköpfen aus geht, will uns kaum in den Kopf. Der kalte Krieg ist doch längst vorbei, Hiroshima und Nagasaki alte Hüte. Wen interessiert das denn noch?
Der Mensch neigt dazu, zu verdrängen, was er nicht erfassen kann. Die Gefahr, die von Atomraketen ausgeht, gehört für mich zu den am meisten unterschätzten technischen Risiken. Das klingt paradox, weil wohl niemand denkt, Atombomben seien ungefährlich. Aber dass wirklich etwas passieren könnte, hält doch kaum einer für möglich. Schließlich ist es doch sechzig Jahre lang gutgegangen (dass da eine Menge Glück im Spiel war, wissen die meisten Menschen gar nicht).
Das ist einer der Gründe, weshalb ich die atomare Bedrohung zum zentralen Thema in meinem Roman „Schwarzer Regen“ gemacht habe.
Atombomben sind Produkte der technischen Evolution. Sie „wollen“ sich ausbreiten, und dafür verlocken sie uns mit dem süßesten aller Anreize: Unbegrenzter Macht. Wer die Bombe hat, wird ernst genommen. Wer die Bombe hat, kann seine Forderungen auf internationaler Bühne durchsetzen und in einem geschickten diplomatischen Spiel mit Zuckerbrot und Peitsche Vorteile für sich heraus holen. Wer die Bombe hat, braucht seine Nachbarn nicht mehr zu fürchten (es sei denn, die haben sie auch).
Die Atombomben-Meme locken uns mit diesem vergifteten Nektar, wie Blumen die Bienen anlocken. Natürlich ist ihr süßer Duft vor allem für diejenigen attraktiv, die noch keine Bomben besitzen. Je mehr Länder sie haben, desto größer wird der Druck auf die übrigen, sich dem exklusiven Club der „Atommächte“ anzuschließen. Und mit dem Fortschritt der Technik und der weltweiten Wissensvernetzung wird es immer einfacher, sie zu bekommen. Es ist nur schwer vorstellbar, wie wir diesen Geist wieder zurück in die Flasche bekommen sollen, aus der er vor siebzig Jahren entschlüpft ist.
Barack Obama weiß das. Fast trotzig bezeichnet er den von mir und anderen argumentierten Fatalismus als „tödlichen Gegner“ und tritt ihm mit seinem unbeugsamen Superhelden-Optimismus entgegen. Mein skeptischer Verstand sagt mir, dass er sich (wieder mal) zuviel vornimmt. Mein Herz aber jubelt ihm zu: „Yes, we can, Mr. President!“
Karl Olsberg - 6. Apr, 19:15
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