Lesen und gelesen werden
Nein, hier ist nicht die Rede vom Alltagsleben eines Autors, der natürlich ebenfalls zwischen Lesen und gelesen werden hin und her pendelt. Vielmehr bezieht sich die Überschrift auf eine interessante Entdeckung, die ich diese Woche an einem winzigen Stand auf der Frankfurter Buchmesse machte. Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) aus Saarbrücken präsentierte dort "Text 2.0" - eine neue, interaktive Form des Lesens.
Das Prinzip ist einfach: Während man einen Text auf einem Computermonitor betrachtet, beobachtet eine Augenkamera die Bewegungen der Pupillen und kann so erkennen, welche Wörter man gerade liest. Das ermöglicht verblüffende Effekte. Lese ich zum Beispiel gerade "das Pferd wieherte", erklingt aus dem Monitor tatsächlich ein Wiehern. Das längere Betrachten eines Fremdwortes - vom Computer als Rätseln über die Bedeutung interpretiert - öffnet den entsprechenden Eintrag in einem Lexikon. Ein Name wird beim Lesen durch ein Foto der Person illustriert. Auch Umblättern geschieht durch bloßes Hingucken auf den entsprechenden Pfeil am unteren Seitenende.
Augenkameras werden schon seit den Siebzigerjahren zum Beispiel in der Werbewirkungsforschung eingesetzt, und das Unterlegen von einzelnen Worten mit multimedialem Content ist das Grundprinzip des WWW. Die Technologie hinter "Text 2.0" ist also alles andere als neu. Trotzdem ist die Kombination dieser beiden Elemente verblüffend. Es ist, als ob der Computer plötzlich Gedanken lesen kann - und in gewisser Hinsicht kann er das tatsächlich, denn beim Lesen entstehen die geschriebenen Worte als gesprochene Gedanken in meinem Kopf.
Ich persönlich glaube nicht unbedingt an "wiehernde" Bücher - die Vorstellung eines Geräuschs in meiner Fantasie reicht mir als Lautuntermalung einer Geschichte völlig aus. Aber es gibt sicher eine Menge interessanter Anwendungsmöglichkeiten für "Text 2.0" - von der Nutzung interaktiver Texte und Anwendungen ohne Zuhilfenahme der Hände bis zu Texten, deren Länge sich automatisch der Lesegeschwindigkeit des Nutzers anpasst (überfliege ich einen Text nur, wird er auf das Wesentliche verdichtet). Spannend fände ich auch Computerspiele, die von einer Augenkamera gesteuert werden, so dass man beispielsweise die Bewegungs- und Blickrichtung des Helden mit den Pupillen lenkt.
Wer weiß, vielleicht sind Augenkameras in Laptops und iPhones bald Standard. Dann lesen wir nicht mehr nur, sondern werden gleichzeitig gelesen. Irgendwie eine gruselige Vorstellung.
Das Prinzip ist einfach: Während man einen Text auf einem Computermonitor betrachtet, beobachtet eine Augenkamera die Bewegungen der Pupillen und kann so erkennen, welche Wörter man gerade liest. Das ermöglicht verblüffende Effekte. Lese ich zum Beispiel gerade "das Pferd wieherte", erklingt aus dem Monitor tatsächlich ein Wiehern. Das längere Betrachten eines Fremdwortes - vom Computer als Rätseln über die Bedeutung interpretiert - öffnet den entsprechenden Eintrag in einem Lexikon. Ein Name wird beim Lesen durch ein Foto der Person illustriert. Auch Umblättern geschieht durch bloßes Hingucken auf den entsprechenden Pfeil am unteren Seitenende.
Augenkameras werden schon seit den Siebzigerjahren zum Beispiel in der Werbewirkungsforschung eingesetzt, und das Unterlegen von einzelnen Worten mit multimedialem Content ist das Grundprinzip des WWW. Die Technologie hinter "Text 2.0" ist also alles andere als neu. Trotzdem ist die Kombination dieser beiden Elemente verblüffend. Es ist, als ob der Computer plötzlich Gedanken lesen kann - und in gewisser Hinsicht kann er das tatsächlich, denn beim Lesen entstehen die geschriebenen Worte als gesprochene Gedanken in meinem Kopf.
Ich persönlich glaube nicht unbedingt an "wiehernde" Bücher - die Vorstellung eines Geräuschs in meiner Fantasie reicht mir als Lautuntermalung einer Geschichte völlig aus. Aber es gibt sicher eine Menge interessanter Anwendungsmöglichkeiten für "Text 2.0" - von der Nutzung interaktiver Texte und Anwendungen ohne Zuhilfenahme der Hände bis zu Texten, deren Länge sich automatisch der Lesegeschwindigkeit des Nutzers anpasst (überfliege ich einen Text nur, wird er auf das Wesentliche verdichtet). Spannend fände ich auch Computerspiele, die von einer Augenkamera gesteuert werden, so dass man beispielsweise die Bewegungs- und Blickrichtung des Helden mit den Pupillen lenkt.
Wer weiß, vielleicht sind Augenkameras in Laptops und iPhones bald Standard. Dann lesen wir nicht mehr nur, sondern werden gleichzeitig gelesen. Irgendwie eine gruselige Vorstellung.
Karl Olsberg - 17. Okt, 11:09
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