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Genialer Unfug

Zugegeben, die Versuchung ist groß, und wohl kaum ein veröffentlichter Autor hat sie nicht irgendwann in einer frühen Phase seines Schaffens gespürt: Inserate wie "Verlag sucht Autor" oder "Wir geben auch Nachwuchstalenten eine Chance" klingen verlockend, vor allem, wenn sich Standard-Verlagsabsagen auf dem Schreibtisch stapeln. Und wenn er dann nichtsahnend ein Manuskript einschickt und kurz darauf ein überschwängliches Lob zurück bekommt, hat vielleicht manch einer das Gefühl, dass endlich mal jemand seinen Text wirklich gelesen hat.

Der interneterfahrene Nutzer ahnt, dass es in dieser Welt kein "free lunch" gibt und da irgendwo ein Haken sein muss. Und die so genannten Zuschussverlage halten damit auch gar nicht lange hinterm Berg: Wenn man in einem Verlag, der per Inserat nach Autoren sucht, etwas veröffentlichen will, dann bekommt man dafür nicht etwa Geld, sondern man muss etwas bezahlen. Aber, so lautet die Beschwichtigung, auch Schiller habe seine ersten Werke im Selbstverlag veröffentlicht und wäre, wenn er das nicht getan hätte, vielleicht niemals als literarisches Genie bekannt geworden. Und dann werden meist noch ein paar Beispiele aus dem aktuellen Jahrhundert von Autoren des jeweiligen Verlages herbei zitiert, die angeblich "phänomenale Erfolge" erzielt und den Zuschuss mehrfach zurück verdient haben.

Wer sich freilich ein wenig länger mit dem Thema beschäftigt und mal in dem einen oder anderen Schreibforum nachfragt, erfährt schnell, wie der Hase wirklich läuft. Und bekommt einen weisen Rat, den ich hier gern an alle Nachwuchsautoren weiter gebe: Zahle NIEMALS etwas vorab für die Veröffentlichung eines Textes, für Lektorats- oder Agenturleistungen. Denn wenn die bezuschussten Verlage oder Dienstleister auf diese Weise bereits ihren Gewinn gemacht haben, welchen Anreiz sollten sie dann noch haben, sich wirklich für das Buch des Nachwuchsautors einzusetzen? Zumal, wenn dies ein unfertiges Machwerk ist, das bisher völlig zurecht von renommierten Verlagen abgelehnt wurde? Arbeite lieber weiter an Deinen Fähigkeiten, bis irgendwann jemand bereit ist, für Deine Arbeit Geld auszugeben und ins Risiko zu gehen.

Drei Autoren, darunter mein Aufbau-Autorenkollege Tom Liehr, haben die bauernfängerischen Methoden dubioser Geschäftemacher, die von den Enttäuschungen und Hoffnungen aufstrebender Autoren leben, in einem genialen Streich offen gelegt und die Zuschussverlage öffentlich vorgeführt. Sie bastelten einen völlig absurden Pseudoroman zusammen und wurden dafür jeweils in den höchsten Tönen gelobt. Der entsprechende Artikel auf SPIEGEL ONLINE ist wirklich zum schieflachen schön. Jedenfalls, wenn man nicht gerade einen Vertrag bei einem Zuschussverlag unterschrieben hat.

Der vollständige Text des Anschreibens und der genial-schrägen Leseprobe finden sich auf www.autorenkalender.de.. Unbedingt lesen!

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