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Die Maschine kennt mich besser als ich mich selbst

Manchmal merkt man an kleinen Details, wie sehr sich unsere Welt verändert.

Da ich gelegentlich bei Amazon CDs meiner "Schreibmusik-Band" Porcupine Tree bestellt habe und noch ein paar andere Progressive-Rock-Scheiben, bekomme ich natürlich auch Empfehlungen für CDs anderer Bands, die mir vielleicht gefallen könnten. Eine solche Empfehlung war "Black Clouds and Silver Linings" der amerikanischen "Progressive Metal"-Band Dream Theater. Da ich nicht so auf Heavy Metal stehe, habe ich um diese Band bisher einen Bogen gemacht, bzw. kannte sie eigentlich gar nicht.

Als ich in Österreich im Urlaub dann in einem winzigen CD-Laden diese Scheibe liegen sah, griff ich aus einer Laune heraus doch zu - und war vom Fleck weg begeistert. Ich bestellte eine zweite CD der Band bei Amazon, und der Eindruck verfestigte sich, dass ich hier etwas entdeckt hatte, das ganz dicht an meiner Optimalvorstellung von Musik liegt.

Der Begriff "Metal" ist in Bezug auf Dream Theater grob irreführend - zwar schrammeln die Gitarren manchmal ziemlich heftig, und die Double-Bass-Drum von Mike Portnoy sucht wohl noch vergeblich einen zweiten Drummer, der sie ähnlich schnell treten kann. Aber im Unterschied zu allem, was mir bisher unter dem Begriff "Metal" begegnet ist, machen Dream Theater wirklich intelligente, kunstvolle Musik - Progressive Rock vom Feinsten eben. Tatsächlich ist Dream Theater die einzige Band bisher, die in meinen Augen meiner All-Time-Lieblingsband Emerson, Lake & Palmer das Wasser reichen kann - den alten ELP wohlgemerkt, bevor sie mit "Works" und den danach folgenden Werken ihre Originalität aufgaben und in die Beliebigkeit abstürzten.

Das Irre - und irgendwie auch Peinliche - daran ist, dass ich zwanzig Jahre lang keine Ahnung hatte, dass die Band überhaupt existiert. Und das, obwohl sie in eingeweihten Progressive-Rock-Kreisen inzwischen sehr bekannt ist und ihre Mitglieder zu den größten Instrumentalvirtuosen gezählt werden, die es heute in der Rockmusik gibt. Es ist, als hätte ich in unserem Haus ein zusätzliches Zimmer entdeckt, das ich bisher schlicht übersehen hatte.

Warum erzähle ich das alles? Weil es mich im Nachhinein zutiefst erschreckt, wie genau die Maschine - Amazon.de ist nichts anderes - mich kennt. Ich bin ihr für die gelungene Empfehlung sehr dankbar, aber ein unguter Beigeschmack bleibt. Was für treffende Schlussfolgerungen, die tief in meine Psyche reichen, lassen sich noch aus den vielen Spuren ziehen, die ich im Netz hinterlassen habe?

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