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Friedensnobelpreis für eine große und mutige Idee

Mir ging es so wie wohl den meisten, als ich gestern von der Verleihung des Friedensnobelpreises an Barack Obama erfuhr. Ich fragte mich: Wofür?

Obama ist kaum ein Dreivierteljahr im Amt, und seine Erfolgsbilanz ist bis jetzt eher dürftig. Die dringend benötigte Reform des US-Gesundheitswesens stockt, seine politischen Gegner werden immer aggressiver und auch seine außenpolitische Friedensoffensive, die jetzt ausgezeichnet wird, hat bisher kaum etwas an den globalen Spannungen geändert. Die Taliban gewinnen in Afghanistan weiter an Boden, Pakistan bleibt ein gefährliches Pulverfass, der Nahost-Konflikt ist so weit von einer Lösung entfernt wie eh und je, und der Iran bastelt weiter an seiner Bombe.

Verständlich, dass ihm das Nobelpreis-Kommittee in dieser kritischen Phase seiner Amtszeit den Rücken stärken wollte. Aber kann das die Aufgabe des Nobelpreises sein - Politikern mit noblen Absichten Zuspruch zu geben, oder ihnen gar eine "Zwangsjacke von Erwartungen" anzulegen? Ist das fair gegenüber den anderen Preisträgern, die oft jahrzehntelang für eine bessere Welt kämpfen mussten, bevor ihre Leistung anerkannt wurde, oder die gar ihre alten Differenzen in heroischer Weise überbrückten und echten Frieden zwischen Feinden schufen, wie 1978 Anwar as-Sadat und Menachem Begin? Ist es fair gegenüber den vielen anderen Kandidaten, die den Preis jetzt nicht bekommen?

"Der Gutmensch Obama wird das Geld bestimmt spenden", kommentierte ein Kollege. "Gutmensch" - das klingt abfällig, fast wie "Aufschneider". Wir misstrauen jemandem, der eine großzügige Geste zeigt, weil wir eine verdeckte Absicht dahinter vermuten - besonders bei einem Politiker. Und als Obama Anfang April in Prag verkündete, er wolle die Welt zu einer atomwaffenfreien Zone machen, waren wir skeptisch - ich auch.

Doch sind es nicht gerade solche Visionen, die die Welt verändern können? Ist es nicht bemerkenswert, dass der oberste Befehlshaber der größten Atomstreitmacht der Welt öffentlich für deren Abschaffung plädiert? Ist dies nicht ein ungeheuer mutiger Schritt, der allein schon die höchste aller Auszeichnungen rechtfertigt?

Vielleicht zum ersten Mal in der Geschichte des Preises wird nicht eine Tat ausgezeichnet, sondern eine Absicht, nicht die Vergangenheit, sondern eine mögliche Zukunft. Und das vor dem Hintergrund der realen Gefahr eines Atomkriegs im nahen Osten, die immer noch von vielen unterschätzt wird.

Das Nobelpreiskommittee muss sich darüber klar gewesen sein, dass seine Entscheidung weltweites Kopfschütteln auslösen wird. Es war schon deshalb eine mutige Entscheidung. Aber es war vermutlich auch eine Entscheidung im Sinne von Alfred Nobel, der den Preis ja auch deshalb gestiftet hat, weil er seiner Erfindung hochwirksamer Sprengstoffe etwas Positives, Konstruktives entgegen setzen wollte.

Mit Barack Obama wird ein Mann für seine Weitsicht und seinen Mut ausgezeichnet. Ich hoffe, dass dieser Preis dazu beiträgt, das wunderschöne Mem einer atomwaffenfreien Welt in möglichst vielen Köpfen festzusetzen. Falls das gelingt, war dies vielleicht die klügste Entscheidung, die das Nobelpreiskommittee je getroffen hat.

Congratulations, Mr. Obama!

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