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Evolution und Zukunft

Freitag, 27. November 2009

Brand eins-Beitrag zur Zukunft der Kunst

In der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsmagazins brand eins ist unter der Rubrik "Interessante Frage" ein Beitrag von mir erschienen. Passend zum Themenschwerpunkt Kunst stelle ich mir die Frage: "Wird der größte Künstler des 21. Jahrhunderts eine Maschine sein?"

Ach ja: Der Beitrag ist nicht unter "Karl Olsberg" erschienen, sondern unter meinem bürgerlichen Namen. Wer den wissen will, hat also einen Grund mehr, das wirklich spannende Heft zu kaufen.

Samstag, 17. Oktober 2009

Lesen und gelesen werden

Nein, hier ist nicht die Rede vom Alltagsleben eines Autors, der natürlich ebenfalls zwischen Lesen und gelesen werden hin und her pendelt. Vielmehr bezieht sich die Überschrift auf eine interessante Entdeckung, die ich diese Woche an einem winzigen Stand auf der Frankfurter Buchmesse machte. Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) aus Saarbrücken präsentierte dort "Text 2.0" - eine neue, interaktive Form des Lesens.

Das Prinzip ist einfach: Während man einen Text auf einem Computermonitor betrachtet, beobachtet eine Augenkamera die Bewegungen der Pupillen und kann so erkennen, welche Wörter man gerade liest. Das ermöglicht verblüffende Effekte. Lese ich zum Beispiel gerade "das Pferd wieherte", erklingt aus dem Monitor tatsächlich ein Wiehern. Das längere Betrachten eines Fremdwortes - vom Computer als Rätseln über die Bedeutung interpretiert - öffnet den entsprechenden Eintrag in einem Lexikon. Ein Name wird beim Lesen durch ein Foto der Person illustriert. Auch Umblättern geschieht durch bloßes Hingucken auf den entsprechenden Pfeil am unteren Seitenende.

Augenkameras werden schon seit den Siebzigerjahren zum Beispiel in der Werbewirkungsforschung eingesetzt, und das Unterlegen von einzelnen Worten mit multimedialem Content ist das Grundprinzip des WWW. Die Technologie hinter "Text 2.0" ist also alles andere als neu. Trotzdem ist die Kombination dieser beiden Elemente verblüffend. Es ist, als ob der Computer plötzlich Gedanken lesen kann - und in gewisser Hinsicht kann er das tatsächlich, denn beim Lesen entstehen die geschriebenen Worte als gesprochene Gedanken in meinem Kopf.

Ich persönlich glaube nicht unbedingt an "wiehernde" Bücher - die Vorstellung eines Geräuschs in meiner Fantasie reicht mir als Lautuntermalung einer Geschichte völlig aus. Aber es gibt sicher eine Menge interessanter Anwendungsmöglichkeiten für "Text 2.0" - von der Nutzung interaktiver Texte und Anwendungen ohne Zuhilfenahme der Hände bis zu Texten, deren Länge sich automatisch der Lesegeschwindigkeit des Nutzers anpasst (überfliege ich einen Text nur, wird er auf das Wesentliche verdichtet). Spannend fände ich auch Computerspiele, die von einer Augenkamera gesteuert werden, so dass man beispielsweise die Bewegungs- und Blickrichtung des Helden mit den Pupillen lenkt.

Wer weiß, vielleicht sind Augenkameras in Laptops und iPhones bald Standard. Dann lesen wir nicht mehr nur, sondern werden gleichzeitig gelesen. Irgendwie eine gruselige Vorstellung.

Montag, 7. September 2009

Die Maschine kennt mich besser als ich mich selbst

Manchmal merkt man an kleinen Details, wie sehr sich unsere Welt verändert.

Da ich gelegentlich bei Amazon CDs meiner "Schreibmusik-Band" Porcupine Tree bestellt habe und noch ein paar andere Progressive-Rock-Scheiben, bekomme ich natürlich auch Empfehlungen für CDs anderer Bands, die mir vielleicht gefallen könnten. Eine solche Empfehlung war "Black Clouds and Silver Linings" der amerikanischen "Progressive Metal"-Band Dream Theater. Da ich nicht so auf Heavy Metal stehe, habe ich um diese Band bisher einen Bogen gemacht, bzw. kannte sie eigentlich gar nicht.

Als ich in Österreich im Urlaub dann in einem winzigen CD-Laden diese Scheibe liegen sah, griff ich aus einer Laune heraus doch zu - und war vom Fleck weg begeistert. Ich bestellte eine zweite CD der Band bei Amazon, und der Eindruck verfestigte sich, dass ich hier etwas entdeckt hatte, das ganz dicht an meiner Optimalvorstellung von Musik liegt.

Der Begriff "Metal" ist in Bezug auf Dream Theater grob irreführend - zwar schrammeln die Gitarren manchmal ziemlich heftig, und die Double-Bass-Drum von Mike Portnoy sucht wohl noch vergeblich einen zweiten Drummer, der sie ähnlich schnell treten kann. Aber im Unterschied zu allem, was mir bisher unter dem Begriff "Metal" begegnet ist, machen Dream Theater wirklich intelligente, kunstvolle Musik - Progressive Rock vom Feinsten eben. Tatsächlich ist Dream Theater die einzige Band bisher, die in meinen Augen meiner All-Time-Lieblingsband Emerson, Lake & Palmer das Wasser reichen kann - den alten ELP wohlgemerkt, bevor sie mit "Works" und den danach folgenden Werken ihre Originalität aufgaben und in die Beliebigkeit abstürzten.

Das Irre - und irgendwie auch Peinliche - daran ist, dass ich zwanzig Jahre lang keine Ahnung hatte, dass die Band überhaupt existiert. Und das, obwohl sie in eingeweihten Progressive-Rock-Kreisen inzwischen sehr bekannt ist und ihre Mitglieder zu den größten Instrumentalvirtuosen gezählt werden, die es heute in der Rockmusik gibt. Es ist, als hätte ich in unserem Haus ein zusätzliches Zimmer entdeckt, das ich bisher schlicht übersehen hatte.

Warum erzähle ich das alles? Weil es mich im Nachhinein zutiefst erschreckt, wie genau die Maschine - Amazon.de ist nichts anderes - mich kennt. Ich bin ihr für die gelungene Empfehlung sehr dankbar, aber ein unguter Beigeschmack bleibt. Was für treffende Schlussfolgerungen, die tief in meine Psyche reichen, lassen sich noch aus den vielen Spuren ziehen, die ich im Netz hinterlassen habe?

Montag, 27. Juli 2009

Was darf ein Pilot im Cockpit noch entscheiden?

In ihrer Titelstory widmet die aktuelle Ausgabe des SPIEGEL der Frage, ob immer mehr Computertechnik in Flugzeugcockpits das Fliegen sicherer macht, breiten Raum. Auch online gibt es hierzu einen Beitrag. Ich fühle mich auf unangenehme Weise an die Szene aus "Das System" erinnert, in der ein voll besetztes Passagierflugzeug über Tokio abstürzt, weil der Computer die Kontrolle an sich reißt.

Wie realistisch dieses Szenario tatsächlich ist, zeigen einige Unfälle und Beinahe-Katastrophen der jüngeren Vergangenheit. So auch der Fast-Crash eines Airbus bei starkem Seitenwind in Hamburg. Dieser ist offenbar auch darauf zurückzuführen gewesen, dass die heftige Gegenreaktion der Pilotin durch den Computer "korrigiert" wurde und daher die Tragfläche aufsetzte.

Ich will hier bestimmt keine Angst vor dem Fliegen schüren. Das Flugzeug ist immer noch eines der sichersten Verkehrsmittel, und ich benutze es jede Woche vollkommen angstfrei. Auch Angst vor Computern im Cockpit ist unangebracht. Airbus argumentiert nicht zu Unrecht, dass Computer in vielen Fällen durch Korrektur von Pilotenfehlern Katastrophen verhindert haben.

Allerdings zeigt die aktuelle Diskussion eines überdeutlich: Piloten werden in modernen Passagierjets immer mehr zu Statisten. Sie verstehen die komplexe Technik des Flugzeugs längst nicht mehr in allen Einzelheiten. Daher können sie auch immer weniger eingreifen, wenn etwas schief geht.

Das eigentlich Beängstigende ist für mich nicht, dass Computer manchmal Fehler machen, sondern dass sie Menschen selbst bei so komplexen Aufgaben wie dem sicheren Fliegen, Starten und Landen einer Passagiermaschine überflüssig machen können.

Mittwoch, 8. Juli 2009

Was wäre, wenn?

Diese Frage stellen sich Schriftsteller häufig, und sie ist sehr bestimmend für unsere Arbeit. Für "Das System" habe ich mich zum Beispiel gefragt, "Was wäre, wenn das Internet plötzlich denken könnte?" Erst im zweiten Schritt kam dann die Frage hoch, wie das Internet denn denken lernen könnte. In meinem neuen Roman "Schwarzer Regen" lautet die zentrale Frage: "Was wäre, wenn mitten in Deutschland ein nuklearer Terroranschlag mit vielen tausend Toten geschähe?" Wie würde es Deutschland, wie die direkt betroffenen Menschen verändern?

Doch nicht nur Schrifsteller stellen sich solche Fragen, wie eine Enthüllung aus den Archiven der US-Regierung zeigt. Richard Nixon musste sich 1969 mit der sehr realistischen Möglichkeit auseinander setzen, dass die erste Mondlandung schief gehen könnte. Tatsächlich sind die Astronauten nur knapp an einer Bruchlandung vorbei geschrammt - das Landegebiet war aus der Nähe betrachtet längst nicht so eben wie erwartet, und im Tank war zum Zeitpunkt des Aufsetzens noch Treibstoff für 17 Sekunden.

Eines der wahrscheinlichsten Szenarios war, dass es die Mondlandefähre Eagle nicht schaffen würde, vom Mond abzuheben. Keine unbegründete Sorge angesichts der Tatsache, dass niemand je zuvor versucht hatte, im Vakuum von einem fremden Himmelskörper abzuheben. In einem solchen Fall hätte Nixon nur wenig Zeit gehabt, sich auf die Situation einzustellen und an die Öffentlichkeit zu treten. Also dachte er - bzw. sein Redenschreiber - voraus und formulierte eine Trauerrede, die zum Glück nie gehalten werden musste. Der fast schon sarkastische erste Satz lautet: "Das Schicksal hat bestimmt, dass die Männer, die zum Mond flogen, um dort in Frieden zu forschen, auf dem Mond bleiben werden, um dort in Frieden zu ruhen."

Ich bin froh, dass wir diesen Satz nie hören mussten.

Allerdings wünschte ich mir manchmal, Politiker wären immer so vorausschauend und würden sich auf den Fall des Misserfolgs ebenso gut vorbereiten wie auf den Erfolgsfall - oder diese Möglichkeit wenigstens mit in ihr Kalkül einbeziehen. Aber vielleicht hat ja Angela Merkel auch schon eine "Trauerrede" in der Schublade: "Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, bedauerlicherweise hat sich unser massives Konjunkturprogramm im Nachhinein als Strohfeuer heraus gestellt. Aufgrund der fortdauernden Wirtschaftsflaute, der immer noch hohen Arbeitslosenzahlen und Sozialkosten in Deutschland und der Rekord-Staatsverschuldung muss die Bundesregierung daher leider Insolvenz anmelden ..."

Samstag, 27. Juni 2009

Abi

Mein ältester Sohn hat heute feierlich sein Abiturzeugnis überreicht bekommen (herzlichen Glückwunsch, Konstantin!). Sowas macht einen Vater natürlich unheimlich stolz. Aber es macht einen auch ein wenig nachdenklich. Man merkt, wie man älter wird. (Das kann doch nicht schon fünfzehn Jahre her sein, dass ich ihm ausgedachte Geschichten von zwei kleinen Mäusen und einer Drachentigerkatze erzählt habe ...) Und man fragt sich, in was für eine Welt man den jungen Erwachsenen da eigentlich entlässt.

Eine Welt, in der das Chaos regiert - nicht nur in der Wirtschaft. Eine Welt, die immer mehr von Computern beherrscht wird, deren Leistung weiter exponentiell wächst. Eine Welt, die mein Sohn schon jetzt besser versteht als ich, und die dennoch auch ihm immer fremder und unberechenbarer werden wird.

Doch die heutige Abiturfeier erfüllt mich auch mit Zuversicht. Ich habe viele talentierte junge Menschen gesehen - einige davon wahre Wunderkinder mit 1,0-Abi, die neben der Schule im 3. Semester Physik studieren. Sie scheinen irgendwie vernünftiger, weltoffener und weniger naiv zu sein als der Jahrgang, der gemeinsam mit mir Abi gemacht hat. Und der Krise zum Trotz blicken sie optimistisch in die Zukunft.

Sie sind mit - zum Teil in - virtuellen Welten aufgewachsen. Doch sie haben nicht verlernt, worauf es im Leben wirklich ankommt. Am Ende der stimmungsvollen Feier sang ein Schüler-Gospelchor "That's what friends are for". Man spürte, dass trotz aller Chatrooms und Nicknames, Facebook- und Twitter-Accounts die körperliche Nähe, das Lächeln unter Freunden immer noch zählt. Irgendwie beruhigend.

Donnerstag, 18. Juni 2009

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern

Als ich Ende 2006 zum ersten Mal auf das damals noch brandneue Twitter (engl. „Gezwitscher“) stieß, schüttelte ich den Kopf vor Unverständnis. Da berichteten mitteilungsfreudige Freaks, dass sie sich gerade einen Kaffee kochten, Mathe büffelten oder jetzt gleich ins Kino gingen. Ich hatte keine Ahnung, wo der Vorteil liegen sollte, wenn man Mitteilungen künstlich auf 140 Zeichen beschränkte, obwohl diese überwiegend nicht als SMS versandt werden, um damit dann solche Trivialitäten auszutauschen. Schon damals jedoch hat Twitter-Gründer Jack Dorsey etwas sehr Kluges gesagt: „Wir haben keine Ahnung, was die User mit unserem Service machen werden. Wir stellen ihn einfach hin und schauen zu.“

Drei Jahre nach der Twitter-Gründung zeigt sich, dass der Service seine unglaubliche Popularität zu recht hat. Denn spätestens seit der spektakulären Notlandung eines Airbus A320 auf dem Hudson River, die als erstes per „Tweet“ übermittelt wurde, ist die Relevanz des jungen Mediums für die Nachrichtenübermittlung klar. Immer noch ist der größte Teil der Tweets an Trivialität kaum zu überbieten, aber das gilt bekanntlich auch für Blogs und Websites. Das eine Prozent relevanter Inhalte aber hat durch Twitter enorm an Verbreitungsgeschwindigkeit gewonnen. Besonders eindrucksvoll zeigt sich das in diesen Tagen, in denen Twitter offenbar die Geheimwaffe der iranischen Opposition gegen Wahlfälschung und Repressalien des Regimes ist. Man könnte sagen, die Spatzen pfeifen von den Dächern, dass Ahmadinedschads Tage gezählt sind.

Wenn man sich das Internet als eine Art gigantisches neuronales Netz vorstellt, als „global Brain“, dann erfüllt Twitter die Funktion von Nervenimpulsen, die dafür sorgen, dass bestimmte Regionen des Netzes „aktiviert“ werden. Da Tweets zu kurz sind, um relevante Inhalte im Detail zu übermitteln, dienen sie inzwischen im Wesentlichen der Aufmerksamkeitssteigerung: Schau mal auf diese Website, lies mal jenen Blogbeitrag. Diese Funktion ist sehr wesentlich, denn sie beschleunigt die Funktionsweise des neuronalen Netzes, und damit seine „Intelligenz“, erheblich.

Für mich ist Twitter ein eindrucksvolles Beispiel, wie eine revolutionäre Anwendung durch simples Anwenden des Prinzips von Versuch und Irrtum entstehen kann. Die memetische Evolution ist wieder ein bisschen beschleunigt worden. Ich bin gespannt, was für Gezwitscher wir demnächst noch hören werden.

Samstag, 30. Mai 2009

Strahlende Affen

Hurra! Endlich ist es gelungen, Affen genetisch so zu verändern, dass sie nicht nur im Dunkeln leuchten, sondern diese nützliche Eigenschaft auch an ihre Nachkommen weitergeben können. Ich habe vorsorglich meine Aktien eines bekannten Glühbirnenherstellers verkauft.

Wir können also nicht nur lebende Organismen verhunzen, sondern auch dafür sorgen, dass sich die so Manipulierten fortpflanzen - gegebenenfalls auch unkontrolliert. Ein Triumph für die Affen! Jedenfalls für die in den weißen Kitteln.

Ich habe hier schon oft geschrieben, dass ich nicht negativ gegenüber dem technischen Fortschritt eingestellt bin, auch nicht gegenüber der Gentechnik. Aber mich regt schon ein bisschen auf, mit welcher Respektlosigkeit Wissenschaftler heutzutage mit Lebewesen, zumal unseren entfernten Verwandten, umgehen.

Ich zweifle nicht daran, dass solche Experimente medizinischen Nutzen haben können, dass man vielleicht Erbkrankheiten auf diese Art behandeln und Menschenleben retten kann. Aber ich bezweifle entschieden, dass diese Wissenschaftler wirklich wissen, was sie da eigentlich tun.

Richard Dawkins schreibt in "The Extended Phenotype" sinngemäß: "Es gibt eigentlich kein Gen für irgendetwas. Es gibt nur Gene und ihre phänotypischen Ausprägungen." Soll heißen: Auch wenn eine genetische Mutation offensichtlich das Fell eines Affen leuchten lassen kann, bedeutet das noch lange nicht, dass wir verstehen, was die Veränderung alles bewirkt. Dafür sind die Vorgänge bei der Entstehung eines Lebewesens, besonderes eines Primaten, viel zu kompliziert.

Was wir brauchen sind nicht noch mehr Verbote und Demonstrationen gegen Gentechnik. Was wir brauchen sind Wissenschaftler, die in der Öffentlichkeit nicht Triumphe feiern, sondern eine gewisse Demut zeigen, die sich ihres eigenen Unwissens und ihrer begrenzten Einflussmöglichkeiten bewusst sind. Wir brauchen Wissenschaftler, die einem Primaten kein Leuchtgen einpflanzen würden, ebensowenig, wie sie das bei einem Menschen tun würden. Einfach, weil sie die Würde dieses Lebewesens respektieren.

Weiter heißt es in dem Artikel: "In Zukunft könnten ganze Kolonien solcher genetisch veränderter, kranker Affen für die biomedizinische Forschung gezüchtet werden, spekulieren Sasaki und ihre Kollegen."

Leute, die beim Anblick eines leuchtenden Äffchens vor Freude strahlen und "ganze Kolonien kranker Affen züchten" wollen, verursachen bei mir eine Gänsehaut. Ehrlich gesagt nicht nur, weil mir die Affen (die ohne weißen Kittel) leid tun. Sondern vor allem deshalb, weil ich irgendwie sicher bin, dass uns diese Art von Arroganz noch teuer zu stehen kommen wird.

Sonntag, 15. März 2009

Keine Angst!

Bezugnehmend auf einen Kommentar von Dorothea zu meinem letzten Eintrag: Der Eindruck mag immer wieder entstehen, ich sei gegen Technik eingestellt oder habe gar Angst vor ihr. Das trifft nicht zu. Angst muss man, glaube ich, vor der Technik nicht haben. Sie ist nicht böse. Sie wird uns aber immer wieder überraschen.

Ein Auto ist eine potenziell lebensgefährliche Maschine. Nichtsdestotrotz haben wir wohl alle keine besondere Angst vor Autos. Tödliche Unfälle passieren nicht, weil die Maschine böse oder schlecht konstruiert ist, sondern weil wir die Gefahr unterschätzen und leichtsinnig sind.

Ich habe keine Angst vor der Technik, aber ich mache mir schon Sorgen angesichts der Naivität und vor allem der Selbstüberschätzung vieler Menschen. Es ist nicht das Problem, dass Google unsere Daten für alle verfügbar macht - das Problem ist, dass wir uns dessen nicht bewusst sind und uns so verhalten, als könnten wir alles, was wir im Web tun, jederzeit ungeschehen machen. Das Problem von Wolframs Algorithmus wird es nicht sein, dass er so genial ist (falls das zutrifft), sondern dass wir ihn auf leichtsinnige oder gar gefährliche Weise benutzen werden.

Was wir brauchen, ist nicht Angst. Was wir brauchen, ist Respekt, und ein bisschen Demut vielleicht. Respekt und Demut angesichts der unglaublichen Komplexität, die wir geschaffen haben und die mit enormer Geschwindigkeit weiter wächst.

"Ich weiß, dass ich nichts weiß" - obwohl wir glauben, so vieles zu wissen, gilt dieser Satz meiner Meinung nach heute noch viel mehr als zu Sokrates' Zeiten. Und so schnell unser Wissen auch wachsen mag, das Nichtwissen wächst schneller.

Donnerstag, 12. Februar 2009

Happy Birthday, Charles!

Er war einer der einflussreichsten Forscher der Menschheitsgeschichte. Seine Evolutionstheorie ist eine der am besten dokumentierten und durch zahllose Experimente und Beobachtungen untermauerten Theorien überhaupt. Dennoch ist sie auch 200 Jahre nach Charles Darwins Geburt immer noch umstritten, denn für manche Menschen ist es einfach zu schmerzhaft, sie zu akzeptieren, und ihre weit über die Biologie hinausreichenden Implikationen sind immer noch nicht voll verstanden.

Google widmet ihm heute sein Logo - eine Ehre, die nur wenigen zuteil wird - und listet 11,8 Millionen Suchtreffer auf. Da muss ich wohl nicht mehr viel hinzufügen.

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... für den Spoiler. Allerdings ist er ja vielleicht...
Karl Olsberg - 23. Nov, 14:00

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