Hurra! Endlich ist es gelungen, Affen genetisch so zu verändern, dass sie nicht nur im Dunkeln leuchten, sondern diese nützliche Eigenschaft auch
an ihre Nachkommen weitergeben können. Ich habe vorsorglich meine Aktien eines bekannten Glühbirnenherstellers verkauft.
Wir können also nicht nur lebende Organismen verhunzen, sondern auch dafür sorgen, dass sich die so Manipulierten fortpflanzen - gegebenenfalls auch unkontrolliert. Ein Triumph für die Affen! Jedenfalls für die in den weißen Kitteln.
Ich habe hier schon oft geschrieben, dass ich nicht negativ gegenüber dem technischen Fortschritt eingestellt bin, auch nicht gegenüber der Gentechnik. Aber mich regt schon ein bisschen auf, mit welcher Respektlosigkeit Wissenschaftler heutzutage mit Lebewesen, zumal unseren entfernten Verwandten, umgehen.
Ich zweifle nicht daran, dass solche Experimente medizinischen Nutzen haben können, dass man vielleicht Erbkrankheiten auf diese Art behandeln und Menschenleben retten kann. Aber ich bezweifle entschieden, dass diese Wissenschaftler wirklich wissen, was sie da eigentlich tun.
Richard Dawkins schreibt in "The Extended Phenotype" sinngemäß: "Es gibt eigentlich kein Gen
für irgendetwas. Es gibt nur Gene und ihre phänotypischen Ausprägungen." Soll heißen: Auch wenn eine genetische Mutation offensichtlich das Fell eines Affen leuchten lassen kann, bedeutet das noch lange nicht, dass wir verstehen, was die Veränderung alles bewirkt. Dafür sind die Vorgänge bei der Entstehung eines Lebewesens, besonderes eines Primaten, viel zu kompliziert.
Was wir brauchen sind nicht noch mehr Verbote und Demonstrationen gegen Gentechnik. Was wir brauchen sind Wissenschaftler, die in der Öffentlichkeit nicht Triumphe feiern, sondern eine gewisse Demut zeigen, die sich ihres eigenen Unwissens und ihrer begrenzten Einflussmöglichkeiten bewusst sind. Wir brauchen Wissenschaftler, die einem Primaten kein Leuchtgen einpflanzen würden, ebensowenig, wie sie das bei einem Menschen tun würden. Einfach, weil sie die Würde dieses Lebewesens respektieren.
Weiter heißt es in dem Artikel: "In Zukunft könnten ganze Kolonien solcher genetisch veränderter, kranker Affen für die biomedizinische Forschung gezüchtet werden, spekulieren Sasaki und ihre Kollegen."
Leute, die beim Anblick eines leuchtenden Äffchens vor Freude strahlen und "ganze Kolonien kranker Affen züchten" wollen, verursachen bei mir eine Gänsehaut. Ehrlich gesagt nicht nur, weil mir die Affen (die ohne weißen Kittel) leid tun. Sondern vor allem deshalb, weil ich irgendwie sicher bin, dass uns diese Art von Arroganz noch teuer zu stehen kommen wird.
Trackback URL:
http://karlolsberg.twoday.net/stories/6065746/modTrackback