Ich bin kein Filmkritiker, aber ich gehe gern ins Kino, und ich liebe Science Fiction. Das bedeutet aber keineswegs, dass ich gerne Science-Fiction-Filme im Kino sehe. Im Gegenteil überlege ich es mir in der Regel zweimal, bevor ich mein Geld für einen SF-Film ausgebe. Denn es scheint eine Art ungeschriebenes Gesetz in Hollywood zu geben, das da lautet: Science-Fiction-Filme gucken nur Deppen. Wenn es nur laut genug knallt und die Tricks cool genug aussehen, kann man auf Story und Logik getrost verzichten.
Entsprechend sind die meisten Hollywood-Produkte dieses Genres üble Machwerke, die jeden Intellekt beleidigen und nur dann erträglich sind, wenn sie zumindest eine Prise Selbstironie besitzen (was leider selten genug vorkommt). Herausragende Ausnahmen wie Kubricks "2001" oder "Uhrwerk Orange", Ridley Scotts "Blade Runner" oder Terry Gilliams "Twelve Monkeys" sind leider fast so selten wie bewohnte Planeten in unserem Sonnensystem. Umso mehr freut man sich, wenn man dann endlich mal wieder einen intelligenten, innovativen Science-Fiction-Film sehen darf. Dies war mir gestern vergönnt.
Schon die Grundidee des Films
"Disctrict 9" von Regisseur und Drehbuchautor Neill Blomkamp ist so brillant, dass er allein dafür einen Oscar verdient hätte: Ein gigantisches Raumschiff schwebt über Johannesburg. Doch im Inneren finden sich weder mordlustige Monstren noch fast allmächtige, gütige Lichtwesen, wie man sie aus anderen Genre-Filmen kennt. Stattdessen enthält das gestrandete Raumschiff eine halb verhungerte Meute garnelenartiger Wesen, die sämtlich bei einer Hauptschul-Abschlussprüfung durchfallen würden. Der Film hält sich nicht damit auf, zu erklären, warum das so ist. Es wird lediglich angedeutet, dass es sich bei den Aliens um staatenbildende Wesen handelt, deren "Königin" nicht mehr lebt, so dass nur noch Arbeiter übrig sind, die keinerlei eigenen Antrieb oder Planungsfähigkeiten besitzen. Die minderbemittelten Aliens werden auf der Erde in Ghettos eingepfercht, die rasch zu Slums verkommen.
Die Kritik des Films an Rassismus, Ausgrenzungs- und Diffarmierungstendenzen ist deutlich erkennbar, wird jedoch immer wieder durch ironische und satirische Elemente entkrampft. Trotzdem hatte ich bei der einen oder anderen Szene einen Kloß im Hals - die Andersartigkeit der Aliens verstärkt dabei nur das Erkennen allzu bekannten (un)menschlichen Verhaltens.
Doch die Originalität des Films erschöpft sich keinesfalls in der brillanten Grundidee. Sie reicht von dem ungewöhnlichen Helden - einem geltungssüchtigen Trottel, der trotzdem eigentümlich sympathisch wirkt - bis zur eindrucksvollen, pseudo-dokumentarischen Inszenierung. Immer wieder kommt es zu überraschenden Wendungen, und trotzdem ist der Film extrem spannend, actionreich und sogar ein wenig romantisch. Auch die Tricktechnik ist eindrucksvoll, wird aber nie effekthascherisch eingesetzt und wirkt deshalb umso authentischer.
"District 9" ist vielleicht kein Jahrhundertfilm wie "2001", aber es ist ein sehr heller Stern am trüben Science-Fiction-Filmhimmel. Herr-der-Ringe-Regisseur Peter Jackson hat bei mir ab sofort einen weiteren Stein im Brett, weil er sein Geld in dieses Projekt gesteckt hat.
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