Demokratie ist ein labiles Gebilde. Das habe ich in meinem neuen Roman „Schwarzer Regen“ darzustellen versucht, indem ich die Folgen eines fürchterlichen Anschlags in Deutschland schildere, die von Rechtspopulisten rücksichtslos ausgenutzt werden. Schon mehrfach in der Geschichte sind scheinbar stabile Demokratien von skrupellosen Diktatoren unterworfen worden – wer wüsste das besser als wir Deutschen? Andererseits hat der Fall der Mauer vor 20 Jahren gezeigt, dass das kollektive Wagnis, seine Meinung auch entgegen dem offiziellen Maulkorb zu äußern, einen autoritären Staat zu Fall bringen kann.
Demokratie braucht solchen Mut. Den Mut zum Beispiel, das Recht auf freie Meinungsäußerung nicht nur wahrzunehmen, sondern gegen jeden Versuch der Manipulation und Unterdrückung zu verteidigen. Nur, wenn wir diesen Mut täglich neu beweisen, können wir unsere Freiheit dauerhaft aufrecht erhalten. Das ist kein Plädoyer für „Meinungsfreiheit ohne Grenzen“, wie sie die Piratenpartei fordert – auch das Recht auf freie Meinungsäußerung muss Schranken kennen, etwa bei der Diffarmierung, der Volksverhetzung, der Verletzung der Würde von Menschen oder der Achtung von Urheberrechten. Doch diese Grenzen sind, unter anderem im Grundgesetz, hinreichend definiert. Wer sie übertritt, kann und soll vor Gericht dafür zur Rechenschaft gezogen werden.
Etwas ganz anderes ist es, wenn der
Droste-Verlag einen Krimi nicht veröffentlicht, weil eine „Islam-Expertin“ zu dem Schluss kommt, er enthalte Passagen, die „gefährlich“ seien. Passagen wie „Schiebt euch euren Koran doch …“, die im Roman wohl gemerkt von einer fiktiven Figur gesagt werden.
Diese Art von vorauseilendem Gehorsam gegenüber Leuten, die möglicherweise das deutsche Recht brechen und damit die „Sicherheit der Mitarbeiter oder der Familie“ des Verlegers bedrohen könnten, finde ich erbärmlich. Sie ist die übelste Form von Feigheit, die mir bisher im deutschen Literaturbetrieb begegnet ist.
Aber sie ist nicht nur feige, sie ist auch diffarmierend, denn sie unterstellt den in Deutschland lebenden Moslems, dass diese sofort mordlüstern auf jeden los gehen, der etwas sagt oder schreibt, was auch nur entfernt einer Kränkung ihrer religiösen Gefühle ähneln könnte. Folgerichtig nutzen rechtsradikale Blogs auf der ganzen Welt den Rückzieher als Steilvorlage, um ihre Hasstiraden gegen den Islam loszulassen.
Herzlichen Glückwunsch, Herr Droste – Sie haben sich selbst, Ihrem Verlag, der deutschen Demokratie und den Millionen Moslems, die in Frieden bei uns leben und die deutschen Gesetze achten, einen Bärendienst erwiesen! Duckmäuser wie Sie haben die Freiheit, die sie genießen, eigentlich nicht verdient.
Der Autorin Gabriele Brinkmann aka W.W.Domsky wünsche ich, dass sie schnell einen neuen Verlag findet. Ich rate ihr, das Manuskript parallel kostenlos im Internet zu veröffentlichen. So wird es rasch viele Leser finden, und wie zahllose Beispiele belegen, werden dennoch viele das Buch kaufen. Ein Bestseller ist vorprogrammiert.
Oder war das am Ende das Kalkül des Herrn Droste? Ein medienträchtiger Rückzieher, der dann nach einem öffentlichen Aufschrei doch wieder zurück genommen und zum Selbstläufer im Handel wird? Nein, so viel Abgebrühtheit möchte ich ihm dann doch nicht unterstellen.
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